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Beyond Growth mit BGE

veröffentlicht - 25. Juni 2024
Titelbild der Beyond Growth Konferenz Österreich 2024
geschrieben von Helmo Pape

Im Mai 2024 fand die erste Beyond Growth Nachhaltigkeitskonferenz in Wien statt. Drei Tage lang wurde über Ursachen, Problemlagen einer Wirtschaft mit Wachstumszwang gesprochen und wie divers und dennoch gemeinsam Lösungswege gegangen werden können. 

Die Konferenz erlebte ich weiblich, jung und modern. Die Panels präsentierten mehr Frauen als gewöhnlich, welche kompetent und empathisch Forschung und Erfahrung mitteilten. Der Bogen reichte von “Warum Wachstum überwinden?” über Stabilität, Bedürfnisse und Ziele bis zum “Wie soll Postwachstum in der Wirtschaft gehen?”.

Ursachen des Wachstumszwangs

Sehr konkret kam am dritten Tag die Frage, mit welchen Indikatoren kann Erfolg ohne Verbrauchswachstum gemessen werden kombiniert mit Beispielen und Ausblicken, wer diese neuen Praktiken bereits anwendet.

Dieser letzte Tag brachte mir eine große Erkenntnis in Form von Dr. Melanie Rieback, die den Postwachstumsgedanken in Geschäftsmodelle übersetzen konnte. In diesem Panel erklärte sie, dass sie als Hackerin 2012 ihre Firma “Radical Open Security” als Stiftung gründete, um ihre Firma wertvolle Dienste anbieten zu lassen, aber nie zu verkaufen. 

Hier zeigte sie tiefes Verständnis der Ursache des Wachstumszwangs unseres Geld- und Finanzsystems: die Erwartung einer Rendite für die Investor:innen. Der übliche Dreischritt ist Investieren, Skalieren, Verkaufen. Je schneller und teurer weiterverkauft werden kann, desto besser. Doch besser für wen? 

Dr. Rieback analysierte, dass fast immer nur die Investor:innen gewinnen, nicht die Kundschaft, nicht die Mitarbeitenden und fast nie die Allgemeinheit. Doch warum war das so? Der Grund lag im eindimensionalen Wachstum, dem Wachstum der Profitrate. Sprich, das Wachstum an Geld, das aus der Unternehmung extrahiert werden kann, weil eben kein Wert auf qualitätsvolle Lieferantenbeziehungen, faire Gehälter für Mitarbeitende, hohe Qualität für die Kund:innen oder verantwortungsvolle Nutzung der Umwelt gelegt wurde. 

Dieses Wachstum ist dem Auftrag und der Absicht der Eigentümer:innen entsprungen, deren Kapital schnell und stark zu vermehren. Also werden Start-ups mit Startkapital gemästet, um schnell, groß und profitabel zu werden, um einen Börsengang zu schaffen. Leider zeigen sich nach dem Verkauf der Firma an der Börse mit enormem Gewinn für die ersten Investor:innen bald enttäuschte Kund:innen, Belegschaften, überhöhte Bankkredite, und immer, garantiert immer, Schäden an der Umwelt und dem Gemeinwohl.

Die zwei Seiten von Gewinn

Was also tun? Die erhellende Erklärung lieferte Dr. Rieback gleich mit. Wachstum an sich ist nicht schlecht. Es spricht absolut nichts dagegen, mit einer Geschäftsidee zu wachsen, wenn diese ihren Gewinn mit allen Beteiligten teilt. Toxisch ist jedoch, Geld aus Unternehmen zu extrahieren, wovon einseitig die Kapitalgeber:innen profitieren. Rieback empfiehlt, das Wort “Gewinn” in zwei Teile aufzuspalten. Gewinn, den alle Unternehmen brauchen, um ihre Dienstleistungen oder Produkte anbieten zu können. Dieser Gewinn sichert Gehälter auch im Krankheitsfall, bildet Rücklagen und ermöglicht Investitionen in die Ausstattung der Firma. Dieser Gewinn stellt nie ein Problem dar. Der erzwungene Gewinn, den die Kapitalgeber:innen fordern, um Dividenden, Ausschüttungen oder Aktienverkäufe zu erzielen, ist der Teil von Gewinn, welcher die Erde zerstört. 

Und von wem kommt dieser Gewinn, der die Erde zerstört? Ja, von den Geschädigten. Von Kund:innen, die zu viel bezahlen, von Lieferanten und Mitarbeitenden, die zu wenig bekommen, von Staaten, die Förderungen und Steuernachlässe gewähren und von der Umwelt, die um Luft, Wasser, Boden und Artenvielfalt gebracht wird.

Dr. Melanie Rieback führte mich zu dieser Erkenntnis, dass eine Postwachstums-Wirtschaft nur die extraktiven Gewinne beenden muss, um wieder die planetaren Grenzen einzuhalten. Das wird schwierig genug sein. Im Kern steht die Frage: Muss ein Unternehmen eine kleine Gruppe reich machen, während es eine große Gruppe ausbeutet? Wäre es nicht besser, wenn Unternehmen einfach existieren, weil sie herstellen, was andere brauchen und bezahlen wollen? 

Gier und Angst und Grundeinkommen

Was, wenn Unternehmen Eigentümer:innen höchstens Gehälter auszahlen dürften? Dem steht die Gier, das große Geld machen zu wollen, entgegen. Könnte die Angst hinter der Gier (die vor Abstieg in Armut) durch eine neue Unternehmenskultur ohne bewusste Ausbeutung zurückgehen? Jedenfalls kann Armut in Österreich (und vielen anderen Ländern) durch ein gut gestaltetes Bedingungsloses Grundeinkommen in Kombination mit bedingungsloser Grundversorgung (siehe Degrowth Bewegung) vermieden werden. 

Aus der Donut-Ökonomie gibt es den süßen Teigkringel als Bild für Fortschritt: Zwischen dem sozialen Minimum innen und dem ökologischen Maximum aussen gibt es ein gutes (süßes) Leben für alle.

Helmo Pape

Helmo Pape

Obmann
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