Ist das Grundeinkommen Kommunismus?

Der Kommunismus glaubte an den guten Menschen. Das Grundeinkommen vertraut den Menschen, wie sie sind.

Grundeinkommen und Kommunismus schließen einander ebenso wenig aus wie Grundeinkommen und Kapitalismus. Dennoch: Dem Kommunismus des ausgehenden 19. und des 20. Jahrhunderts ging es in erster Linie um die gerechte Verteilung der Produktionsmittel, nicht um finanzielle Sicherheit. Die Säulen des real existierenden Sozialismus waren dann Parteidiktatur, Planwirtschaft und Arbeitszwang. Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) ermöglicht die Freiheit zur Arbeit, individuelle Entfaltung und politische Teilhabe. Es verbindet die Sicherheit des Kommunismus mit der Freiheit des Kapitalismus.

Der Kommunismus hatte den guten Menschen als Idealbild. Wenn die Produktionsmittel im Besitz aller wären – wenn es keinen Besitz gäbe – würde sich die gute Natur des Menschen rühren. Das Grundeinkommen hat kein idealisiertes Menschenbild. Doch wissen wir aus Erfahrung: Kein Mensch hört auf zu arbeiten, nur weil er gut behandelt wird – im Gegenteil. Niemand kann auf Dauer “nichts tun”, früher oder später erwacht das Verlangen, Resonanz zu erzeugen, produktiv zu werden. 

Die hehre Idee einer kommunistischen Gesellschaft endete einst im Kollektivismus. 
Selbstverwirklichung wurde stark eingeschränkt. Exzellenz beschnitten. Die Sicherheit eines Arbeitsplatzes war wichtiger als die Freiheit und die Selbstbestimmung. Dem Kapitalismus im 21. Jahrhundert droht ein ähnliches Schicksal zu widerfahren.

Es waren daher die liberalen Gegner des Kollektivismus, die früh den gesellschaftlichen Wert eines Bedingungslosen Grundeinkommens erkannten: Freiheit und Exzellenz bauen auf finanzieller Sicherheit. Heute erkennen diesen Wert vor allem Selbstständige. Bei der Volksabstimmung zum Grundeinkommen 2016 in der Schweiz waren es Selbstständige, die sich überdurchschnittlich für das BGE ausgesprochen hatten.