Wird in der Digitalisierung die Arbeit ausgehen?

Digitalisierung bedeutet: Alles, was genau beschreibbar ist und errechnet werden kann, wird früher oder später ein Automat erledigen. Schneller, länger, billiger – und vor allem besser.

Heute stehen in Österreich weniger als 4 Millionen Erwerbstätige knapp 9 Millionen Einwohnern gegenüber. Wenn Studien zeigen, dass in 20 Jahren fast die Hälfte der Menschen ihre Jobs an Maschinen verlieren könnte, wie sollen dann 2 Millionen Menschen durch bezahlte Arbeit einen Staat mit 10 Millionen finanzieren? Was machen die anderen 8 Millionen?

Dem wird entgegengehalten, dass durch Automatisierung stets neue Arbeitsplätze entstanden sind. Das mag stimmen, doch wie werden diese Arbeitsplätze entstehen? Wer soll sie schaffen? Der Staat oder Unternehmen?

Unternehmen müssen keine Jobs schaffen. Unternehmen produzieren Güter oder Dienstleistungen für den Verkauf. Sie schaffen nur dann Arbeitsplätze für Menschen, wenn die Produktion nicht anders möglich ist. Denn im heutigen Steuersystem sind Arbeitsplätze für Unternehmen sehr teuer. Aus diesem Grund rationalisiert die Automatisierung zuerst die gut bezahlten Arbeitsplätze mit hohen Lohnnebenkosten. Schlecht bezahlte Jobs mit geringen Lohnnebenkosten werden erst wegfallen, wenn es billiger ist, sie von Automaten erledigen zu lassen. Solange sich Menschen finden lassen, die für wenig Geld Sanitäranlagen reinigen, wird es keine selbstreinigenden Toiletten geben.

Auch der Staat muss keine Arbeitsplätze schaffen. Seine Aufgabe ist es, die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Arbeit zu erstellen bzw. die Rahmenbedingungen neuen Arbeitswelten anzupassen und umgekehrt – das ist Politik.

Grundsätzlich können wir festhalten: Erwerbsarbeit ist durch die Digitalisierung in Gefahr; weder Unternehmen noch Staat müssen oder sollen Arbeitsplätze schaffen. Zumal es an Arbeit gar nicht mangelt! Heute sind mehr als die Hälfte aller verrichteten Arbeiten unbezahlt: Kindererziehung, Kranken- und Altenpflege, Ehrenamt, Bildung und vieles mehr. Ohne die freiwillige Arbeit von hunderttausenden Menschen könnten andere nicht in Erwerb arbeiten. Arbeit kann also nicht ausgehen, doch bezahlte Arbeit – Erwerbsarbeit – könnte dank Digitalisierung knapp werden. Es werden immer weniger Menschen ein Einkommen aus Erwerbsarbeit beziehen, mit welchem eine immer größere Mehrheit der Bevölkerung über Sozialleistungen versorgt werden soll. Die Spaltung der Gesellschaft in Zahler und Empfänger vertieft sich.

Auf dieses Dilemma gibt es mindestens zwei Antworten:

  1. Menschen Jobs zu vermitteln, in denen sie nur durch Lohnkürzungen gegen Automaten bestehen können.
  2. Menschen mit einem Einkommen auszustatten, über das sie frei entscheiden können, um den Arbeiten nachzugehen, die keine Roboter ausführen können oder sollen.

Diese Arbeiten werden tatsächlich nie ausgehen: sämtliche Berufe und Tätigkeiten, die wir lieber von Menschen erledigt sehen als von Automaten. Viele möchten lieber von Kellnern bedient werden, als sich den Kaffee vom Automaten zu holen. 

Wenn aber ein Automat einer Person die Arbeit wegnimmt, weil es die billigere Lösung ist und wir es akzeptieren, wie etwa Bankomaten, dann nimmt er ihr auch das Einkommen weg. Unsere Aufgabe ist es, auf diese Situation eine menschliche Antwort zu finden. Das Bedingungslose Grundeinkommen wäre eine solche – eine starke Antwort auf die Digitalisierung.

We work for you.jpg"We work for you". Roboter demonstrieren für ein Bedingungsloses Grundeinkommen in der Schweiz. Foto: Generation Grundeinkommen, CH