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Die Zukunft der Arbeit. Teil 2

veröffentlicht - 24. Januar 2024
schwarze Dame sitzt vor Laptop an Schreibtisch und blickt seitlich
geschrieben von Helmo Pape

Wir brauchen einen neuen Arbeitsbegriff. Heute wird in unserer Statistik nur bezahlte Arbeit gemessen. Für das Bruttoinlandsprodukt ist es keine “Arbeit”, wenn Millionen Eltern Millionen Kinder erziehen. 

Wenn der Staat jedoch 2/3 seiner Einnahmen aus bezahlter Arbeit nimmt und diese durch Produktivitätszuwächse, Globalisierung und Automatisierung weniger wird, dann ruft die Politik: “Wirtschaftswachstum!” für mehr Steuereinnahmen und weniger Erwerbsarbeitslose. Auch die Bevölkerung stimmt zu: Gibt es Wirtschaftswachstum, ist zwar der Planet stärker bedroht, aber mein Arbeitsplatz, mein Einkommen, sicherer.


Arbeit ist, was ich für andere tue.

Wir und unser Umfeld brauchen genügend Zeit, um friedlich, gesund, kreativ und schließlich glücklich zusammenleben zu können. Es wäre absurd, die Zeit zu bezahlen, die wir für unsere Kinder, Spiritualität, Gesundheit, Bildung, Projekte und Erholung, Heilung, Inspiration brauchen. Wie sollten wir das objektiv abrechnen können? Doch wie wäre es, wenn wir uns diese Freiräume wechselseitig – mit einem bedingungslosen Grundeinkommen – erlauben würden? Erwerbsarbeit lohnte sich dann immer noch, denn darüber hinausgehende Einkünfte könnten steuerfrei werden. Dazu gleich mehr.

Von 9 Mio. Einwohner:innen in Österreich haben knapp 50% bezahlte Arbeit. Von diesen 4,5 Mio. Erwerbs-Arbeits-Verhältnissen war 2022 der Medianwert 24.652 Eur netto1 im Jahr. Dieser Medianwert ist gerade mal die Armutsgefährdungsschwelle2 für einen Haushalt mit zwei Erwachsenen. Das bedeutet, dass mindestens die Hälfte der Jobs in Österreich nicht ausreichen, um eine Familie mit wenigstens einem Kind zu  versorgen. Das erzeugt Angst vor Abstieg und Armutsgefährdung. Ein Mindestlohn und sogar eine Jobgarantie klingt zwar gut, hilft aber nicht bei Teilzeit und Aufwand für Kinderbetreuung.

Es ist nicht die Aufgabe von Unternehmen, Arbeitsplätze zu schaffen, sondern Produkte und Dienstleistungen! Wenn Unternehmen das ohne Arbeitnehmer:innen schaffen können, dann tun sie das auch. Beispiele für Rationalisierung gibt es genug. Unternehmen können ohne einen einzigen Angestellten Millionen umsetzen. Arbeitslosigkeit ist kein Problem, sondern das Ziel der Wirtschaft war immer schon, Menschen von unliebsamer Arbeit zu befreien. Verständlich, wenn Unternehmen Angestellte kündigen, da Roboter und Algorithmen weder Lohn noch Steuern kosten, nicht müde, langsam, schlampig, krank, aufmüpfig oder schwanger werden.

Keine Steuern auf Erwerbs-Arbeit? Ja, klar!

Unternehmen zahlen Steuern nie selbst, sie verrechnen sie in den Endkundenpreis. Unternehmen, denen das nicht gelingt, werden insolvent. Wenn sowieso alle Steuern beim Konsum anfallen, wäre eine einzige Steuer auf Konsum elegant und für Unternehmen deutlich weniger Aufwand als heute. So wäre die Arbeit einer Maschine und eines Menschen steuerlich gleichgestellt! Die Steuer, die nicht wegläuft, ist die Umsatzsteuer (wir nennen sie Konsumsteuer). Alle Einwohner:innen würden sie bezahlen, denn jeder Mensch, der hier lebt, konsumiert, ergo zahlt er auch Steuern.

Wie wird so eine Konsumsteuer sozial gerecht? Einfach: Jeder Mensch bekommt für Grundbedürfnisse einfach monatlich eine Steuergutschrift auf sein Konto. Diese Gutschrift auf Konsum ist die soziale Komponente der in den Preisen enthaltenen Konsumsteuer. Diese Gutschrift ist bei entsprechender Höhe - Trommelwirbel - das BGE. Auf dieser Basis stehend vereinbaren wir mit unseren Arbeitgebern bzw. Kunden die Netto-Zusatzeinkommen für unsere Arbeitskraft. Da Familien mehrere Köpfe und daher mehrere Grundeinkommen auf ihren Haushalt vereinen, gewinnt Zusammenleben einen Vorteil in dieser Welt mit BGE.


Wir befürworten ein BGE mit folgenden Eigenschaften:

Es bleibt erhalten, wenn Erwerbs-Einkommen erzielt wird und bietet daher Anreiz statt Hemmnis. Im Idealfall ist jeder Zuverdienst frei von Abzügen. Es ist kein Lohn fürs Nichtstun, keine Sozialhilfe, sondern ein Menschenrecht. Alle, die hier gemeldet sind, bekommen es ohne Antrag, damit es keine Armut mehr gibt. Statt zu prüfen “Wer darf es bekommen?” fragen wir “Wer darf es behalten?” und besteuern Konsum und Vermögen derart, dass es von Wohlhabenden zurück zur Gemeinschaft fließt.

Es ist hoch genug, um zu Zumutungen NEIN sagen zu können. Armut und Arbeitslosigkeit, wie wir sie messen, würden verschwinden, denn wer meldet sich noch beim AMS, ohne es zu müssen?

Arbeit, die wichtig, aber nicht bezahlt ist, wird ermöglicht. Niemand hört auf zu arbeiten, bloß weil man fair behandelt wird. Das BGE ermutigt zur Selbstständigkeit, ohne den Druck, sofort Geld machen zu müssen.

Das BGE entschleunigt uns und entlastet das stressgeplagte Gesundheitssystem und lindert den Pflegenotstand. Ein Buch von Adrienne Goehler3 bringt es auf den Punkt: “Nachhaltigkeit braucht Entschleunigung, braucht Grundeinkommen”.

Fazit: Die Generation Grundeinkommen fordert einen Bürger:innenrat, diese Fragen zur sozialen und ökologischen Zukunft ohne ideologische Scheuklappen zu behandeln.

 

 

Helmo Pape

Helmo Pape

Obmann
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