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Von den üblichen Freuden des Erwerbsarbeitslebens….

veröffentlicht - 14. November 2023
Münzen in einer Schublehre eingespannt mit anderen Münzen und einem Taschenrechner auf Finanzbericht liegend
geschrieben von Victoria Caic

Vor einigen Tagen geschah mir etwas, was täglich sicher tausenden von Österreicher*innen passiert und doch immer wieder unerwartet kommt: Ich fand ein Schreiben vom Finanzamt in meinem Briefkasten mit der halbwegs freundlichen Erinnerung, dass ich vergessen hatte, meine Einkommenssteuererklärung fristgerecht einzureichen.

 Dass es überhaupt soweit kommen konnte, liegt daran, dass ich zusätzlich zu meiner Teilzeit-Anstellung etwa hundert Euro zusätzlich erwerbe, indem ich auf selbständiger Basis Kinder zu therapeutischen Zwecken auf meinem Pony herumführe. Diese Tätigkeit hatte ich zwar pflichtbewusst dem Finanzamt und der Sozialversicherungsanstalt gemeldet, aufgrund der Geringfügigkeit der Einnahmen allerdings nicht damit gerechnet, zu wie viel zusätzlicher unbezahlter Arbeit sie führen würde. 

Um die neue Frist diesmal einzuhalten, loggte ich mich gleich am nächsten Tag im Online-Portal des Finanzamtes ein. Obwohl ich diesbezüglich schon viele Schauergeschichten gehört hatte, rechnete ich in der naiven Hoffnung einer Einsteigerin ins Erwerbsleben damit, dass mein Diplomabschluss einer tertiären österreichischen Bildungseinrichtung und meine Zugehörigkeit zur “digital native”-Generation mich befähigen würden, das Ganze innerhalb weniger Stunden hinter mich zu bringen. Weit gefehlt! Der erste Vormittag verging mit dem Versuch, zwischen den Zeilen aus juristischen Fachbegriffen, Paragraphenzeichen und für mich unzusammenhängenden Buchstabenkombinationen herauszulesen, welche Formulare ich überhaupt ausfüllen muss. 

Trotz meines eher überschaubaren Stundenlohns beschlich mich immer stärker das Gefühl, dass die Zeit, die ich mit dem Durchforsten des Umsatzsteuergesetzbuchs verbrachte, kombiniert mit der Zeit, die mein zuständiger Finanzbeamter damit zubringen wird, sich durch meine wahrscheinlich unvollständige und fehlerhafte Steuererklärung  zu wühlen, mehr kostet, als der Staat dadurch an Steuern gewinnt. Zusätzlich ist diese Vorgangsweise alles andere als barrierefrei: Die wenigsten Menschen, die in Österreich steuerpflichtig sind, haben die entsprechende Expertise und natürlich auch Zeit, sich neben ihrer Vollzeiterwerbstätigkeit in die Tiefen des Steuerrechts einzuarbeiten. 

Ein Plädoyer für mehr Freizeit von Finanzbeamten 

Die gute Nachricht ist: Mein Problem ist beseitigbar! Und zwar mit der Abschaffung aller Steuern und Abgaben auf Erwerbsarbeit. Stattdessen müsste eine ausreichend hohe Konsumsteuer eingeführt werden, und ein bedingungsloses Grundeinkommen, das allen Menschen ein würdiges Leben ermöglicht. Indem ich meine Steuern pflegeleicht beim Konsum von Waren und Dienstleistungen bezahle, kann ich ebenfalls meinen Beitrag zur Gesellschaft leisten - was ich wirklich gerne tue! Dieser Beitrag ist dann auch nicht mehr davon abhängig, dass ich weiß, was in § 14 Abs. 1 Z 17 UStG 1994 steht und ich kann die so gewonnene Zeit dafür nutzen, noch mehr Kinder auf Ponys herumzuführen. Meine zuständigen Finanzbeamten würden dadurch eventuell ihren Job verlieren…dank eines gesicherten Grundeinkommens können sie aber vielleicht mit dieser neu gewonnenen Freizeit umgehen!

 

Helmo Pape

Victoria Caic

stellvertretende Obfrau
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